{"id":225,"date":"2016-03-28T23:25:39","date_gmt":"2016-03-29T06:25:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.evergreen.edu\/travelingturnip\/?p=64"},"modified":"2016-03-28T23:25:39","modified_gmt":"2016-03-29T06:25:39","slug":"scheint-nicht-widerrufbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sites.evergreen.edu\/ofbloodandbeauty\/scheint-nicht-widerrufbar\/","title":{"rendered":"scheint nicht widerrufbar."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_65\" style=\"width: 768px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-65 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.evergreen.edu\/travelingturnip\/files\/2016\/03\/aber-viel.jpg\" alt=\"aber weil Hiersein viel ist\" width=\"768\" height=\"768\" srcset=\"http:\/\/blogs.evergreen.edu\/travelingturnip\/files\/2016\/03\/aber-viel-150x150.jpg 150w, http:\/\/blogs.evergreen.edu\/travelingturnip\/files\/2016\/03\/aber-viel-300x300.jpg 300w, http:\/\/blogs.evergreen.edu\/travelingturnip\/files\/2016\/03\/aber-viel.jpg 768w, http:\/\/blogs.evergreen.edu\/travelingturnip\/files\/2016\/03\/aber-viel-600x600.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Aber weil Hiersein viel ist, und weil uns scheinbar<br \/> alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das<br \/> seltsam uns angeht.<\/figcaption><\/figure>\n<h3 style=\"text-align: center\">DIE NEUNTE ELEGIE<\/h3>\n<p class=\"initial\" style=\"text-align: center\">WARUM, wenn es angeht, also die Frist des Daseins<br \/>\nhinzubringen, als Lorbeer, ein wenig dunkler als alles<br \/>\nandere Gr\u00fcn, mit kleinen Wellen an jedem<br \/>\nBlattrand (wie eines Windes L\u00e4cheln) \u2013: warum dann<br \/>\nMenschliches m\u00fcssen \u2013 und, Schicksal vermeidend,<br \/>\nsich sehnen nach Schicksal?. . .<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Oh, <i>nicht<\/i>, weil Gl\u00fcck <i>ist<\/i>,<br \/>\ndieser voreilige Vorteil eines nahen Verlusts.<br \/>\nNicht aus Neugier, oder zur \u00dcbung des Herzens,<br \/>\ndas auch im Lorbeer <i>w\u00e4re<\/i> . . . . .<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Aber weil Hiersein viel ist, und weil uns scheinbar<br \/>\nalles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das<br \/>\nseltsam uns angeht. Uns, die Schwindendsten. Ein Mal<br \/>\njedes, nur <i>ein<\/i> Mal. <i>Ein<\/i> Mal und nichtmehr. Und wir auch<br \/>\n<i>ein<\/i> Mal. Nie wieder. Aber dieses<br \/>\n<i>ein<\/i> Mal gewesen zu sein, wenn auch nur <i>ein<\/i> Mal:<br \/>\n<i>irdisch<\/i> gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Und so dr\u00e4ngen wir uns und wollen es leisten,<br \/>\nwollens enthalten in unsern einfachen H\u00e4nden,<br \/>\nim \u00fcberf\u00fcllteren Blick und im sprachlosen Herzen.<br \/>\nWollen es werden. \u2013 Wem es geben? Am liebsten<br \/>\nalles behalten f\u00fcr immer . . . Ach, in den andern Bezug,<br \/>\nwehe, was nimmt man hin\u00fcber? Nicht das Anschaun, das hier<br \/>\nlangsam erlernte, und kein hier Ereignetes. Keins.<br \/>\nAlso die Schmerzen. Also vor allem das Schwersein,<br \/>\nalso der Liebe lange Erfahrung, \u2013 also<br \/>\nlauter Uns\u00e4gliches. Aber sp\u00e4ter,<br \/>\nunter den Sternen, was solls: <i>die<\/i> sind <i>besser<\/i> uns\u00e4glich.<br \/>\nBringt doch der Wanderer auch vom Hange des Bergrands<br \/>\nnicht eine Hand voll Erde ins Tal, die Allen uns\u00e4gliche, sondern<br \/>\nein erworbenes Wort, reines, den gelben und blaun<br \/>\nEnzian. Sind wir vielleicht <i>hier<\/i>, um zu sagen: Haus,<br \/>\nBr\u00fccke, Brunnen, Tor, Krug, Obstbaum, Fenster, \u2013<br \/>\nh\u00f6chstens: S\u00e4ule, Turm . . . aber zu <i>sagen<\/i>, verstehs,<br \/>\noh zu sagen so, wie selber die Dinge niemals<br \/>\ninnig meinten zu sein. Ist nicht die heimliche List<br \/>\ndieser verschwiegenen Erde, wenn sie die Liebenden dr\u00e4ngt,<br \/>\nda\u00df sich in ihrem Gef\u00fchl jedes und jedes entz\u00fcckt?<br \/>\nSchwelle: was ists f\u00fcr zwei<br \/>\nLiebende, da\u00df sie die eigne \u00e4ltere Schwelle der T\u00fcr<br \/>\nein wenig verbrauchen, auch sie, nach den vielen vorher<br \/>\nund vor den K\u00fcnftigen . . . ., leicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><i>Hier<\/i> ist des <i>S\u00e4glichen<\/i> Zeit, <i>hier<\/i> seine Heimat.<br \/>\nSprich und bekenn. Mehr als je<br \/>\nfallen die Dinge dahin, die erlebbaren, denn,<br \/>\nwas sie verdr\u00e4ngend ersetzt, ist ein Tun ohne Bild.<br \/>\nTun unter Krusten, die willig zerspringen, sobald<br \/>\ninnen das Handeln entw\u00e4chst und sich anders begrenzt.<br \/>\nZwischen den H\u00e4mmern besteht<br \/>\nunser Herz, wie die Zunge<br \/>\nzwischen den Z\u00e4hnen, die doch,<br \/>\ndennoch, die preisende bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Preise dem Engel die Welt, nicht die uns\u00e4gliche, <i>ihm<\/i><br \/>\nkannst du nicht gro\u00dftun mit herrlich Erf\u00fchltem; im Weltall,<br \/>\nwo er f\u00fchlender f\u00fchlt, bist du ein Neuling. Drum zeig<br \/>\nihm das Einfache, das von Geschlecht zu Geschlechtern gestaltet,<br \/>\nals ein Unsriges lebt, neben der Hand und im Blick.<br \/>\nSag ihm die Dinge. Er wird staunender stehn; wie du standest<br \/>\nbei dem Seiler in Rom, oder beim T\u00f6pfer am Nil.<br \/>\nZeig ihm, wie gl\u00fccklich ein Ding sein kann, wie schuldlos und unser,<br \/>\nwie selbst das klagende Leid rein zur Gestalt sich entschlie\u00dft,<br \/>\ndient als ein Ding, oder stirbt in ein Ding \u2013, und jenseits<br \/>\nselig der Geige entgeht. \u2013 Und diese, von Hingang<br \/>\nlebenden Dinge verstehn, da\u00df du sie r\u00fchmst; verg\u00e4nglich,<br \/>\ntraun sie ein Rettendes uns, den Verg\u00e4nglichsten, zu.<br \/>\nWollen, wir sollen sie ganz im unsichtbarn Herzen verwandeln<br \/>\nin \u2013 o unendlich \u2013 in uns! Wer wir am Ende auch seien.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Erde, ist es nicht dies, was du willst: <i>unsichtbar<\/i><br \/>\nin uns erstehn? \u2013 Ist es dein Traum nicht,<br \/>\neinmal unsichtbar zu sein? \u2013 Erde! unsichtbar!<br \/>\nWas, wenn Verwandlung nicht, ist dein dr\u00e4ngender Auftrag?<br \/>\nErde, du liebe, ich will. Oh glaub, es bed\u00fcrfte<br \/>\nnicht deiner Fr\u00fchlinge mehr, mich dir zu gewinnen \u2013, <i>einer<\/i>,<br \/>\nach, ein einziger ist schon dem Blute zu viel.<br \/>\nNamenlos bin ich zu dir entschlossen, von weit her.<br \/>\nImmer warst du im Recht, und dein heiliger Einfall<br \/>\nist der vertrauliche Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Siehe, ich lebe. Woraus? Weder Kindheit noch Zukunft<br \/>\nwerden weniger . . . . . \u00dcberz\u00e4hliges Dasein<br \/>\nentspringt mir im Herzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE NEUNTE ELEGIE WARUM, wenn es angeht, also die Frist des Daseins hinzubringen, als Lorbeer, ein wenig dunkler als alles andere Gr&uuml;n, mit kleinen Wellen an jedem Blattrand (wie eines Windes L&auml;cheln) &ndash;: warum dann Menschliches m&uuml;ssen &ndash; und, Schicksal vermeidend, sich sehnen nach Schicksal?. . . 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